19.06.2026
Es ist das Wohlgefallen gewesen, daß Alles durch Ihn versöhnet würde zu Ihm selbst, es sei auf Erden, oder im Himmel, damit daß er Friede machte durch das Blut an Seinem Kreuz durch Sich selbst.
Kol. 1,19.20. In diesen Worten wird die Versühnung, die durch Christum ausgerichtet worden ist, nach ihrem größten Umfang beschrieben. Es ist das Wohlgefallen Gottes gewesen, daß in Christo alle Fülle (der Gottheit) wohne, oder daß derselbige voll sei von Gnade und Wahrheit, Licht und Leben, daß Er nicht nur alles Gute ohne Maß habe, und selber genieße, sondern auch Alles ausrichten könne, und überdieß Andere aus Seiner Fülle, aus seinem Reichthum und Ueberfluß empfangen können, was sie bedürfen, ohne daß Sein unerforschlicher Reichthum vermindert würde. Weil nun alle Fülle in Christo wohnet, so konnte Er auch eine große Versöhnung ausrichten, welche Alles in sich faßt; und es ist das Wohlgefallen Gottes gewesen, daß Alles durch Ihn versöhnet würde zu Ihm, daß nämlich dieses Alles wieder Gott zugeführt und unterworfen, und mit Gott vereinigt würde, nämlich eine jegliche Klasse der Geschöpfe, nach ihrer Ordnung und Maß. Paulus theilt dieses Alles in zwei Theile ein, und sagt, es sei sowohl dasjenige, das auf der Erden, als auch dasjenige, das in den Himmeln ist. So theilte Moses die ganze Welt ein, da er sagte: im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Auf der Erde leben Sünder, die Erde ist von Gott um der Sünde willen verflucht worden (1 Mos. 5,29.), und alle Geschöpfe unter der Sonne sind der Eitelkeit oder einem Dienst, welcher sie aufreibet, wider ihren Willen oder natürlichem Trieb unterworfen. In den Himmel ist freilich keine Sünde, kein Fluch und keine Eitelkeit eingedrungen: aber der reine Himmel stand mit der unreinen Erde gleichsam in einer Zwietracht, und konnte sich an dieselbe nicht anschließen, oder keine Gemeinschaft mit derselben haben. Christus aber hat Alles versöhnet, sowohl das auf Erden, als auch das im Himmel ist, damit daß Er Friede machte durch das Blut an Seinem Kreuz durch Sich selbst. Durch Sich selbst hat Er Alles versöhnet, so daß Er keinen Fremden und kein fremdes Mittel dazu brauchte. Er hat aber so Alles durch Sich selbst versöhnet, daß Er durch das Blut an Seinem Kreuz Friede machte. Wie kostbar und wirksam ist also Sein vergossenes Blut! Wie wirksam und heilsam Sein Tod am Kreuz! Die Folge davon ist Friede auf Erden, Luk. 2,14., und Friede im Himmel, Luk. 19,38., oder eine neue Harmonie zwischen Himmel und Erde. Die Sünder, welche die Versöhnung durch den Glauben empfangen, gelangen zum Frieden Gottes, werden in’s himmlische Wesen nach der Hoffnung, und endlich nach dem wirklichen Besitz und vollen Genuß versetzt: alle Feinde werden zum Schemel der Füße Jesu gelegt, und der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod. So wird endlich Alles, was im Himmel und auf der Erde ist, in Christo zusammengefaßt unter Ein Haupt, Eph. 1,10. Wir haben uns nun zu bestreben, daß wir durch die Versöhnung, die durch Christum ausgerichtet worden, ein Erstling der Kreatur werden, und weit über das Schicksal Seiner Feinde erhaben, heilig und unsträflich und ohne Tadel vor Christo unserem HErrn und Bräutigam dargestellt werden (Kol. 1,22.), und zur allerseligsten, ewigen und innigsten Gemeinschaft mit Gott gelangen. Mel.: O Durchbrecher aller Bande. 1. Herz, du mußt von Loben wallen, Ja von Gottes Lob allein, Daß nach Seinem Wohlgefallen Alles soll versöhnet sein; Alles das, was auf der Erden, Alles was im Himmel ist, Soll zu Gott versöhnet werden, Und allein durch Jesum Christ. 2. Auch ich armer Wurm von Staube, Auch ich soll Versöhnung seh’n; Die Versöhnung, die ich glaube, Ist durch Christum mir gescheh’n. Mir auch ist Sein Blut beschieden, Mir auch kommt Sein Kreuz zu gut; Frieden hab’ ich, ich hab’ Frieden, Jesu, durch Dein Opferblut. 3. Wall’ im Frieden, meine Seele, Voll von dem Versöhnungsruhm, Sing’ aus der versöhnten Kehle Von des Heilands Priesterthum, Der auf Erden troff von Blute, Und trug Blut zum Himmel in. Wem auf Erden wohl zu Muthe, Dem wird wohl im Himmel sein.